Furioser Saisonabschluss

Letzter Spieltag der Damen 30 endet mit 9:0

An seinen Herausforderungen wächst man – dieser Satz wurde in der langen Geschichte des Sportjournalismus wohl so häufig bemüht wie kein zweiter und ja, das Phrasenschwein wird seinen Tribut erhalten, aber selten war er so berechtigt wie im Zusammenhang mit der Debütsaison der Rothenburger Damen 30 auf Bezirksebene. Spätestens seit Martina Hingis‘ wenig glücklichem Intermezzo mit dem Pariser Publikum ist man dazu geneigt, das heißeste Pflaster der Tenniswelt an der Seine zu vermuten. Doch weit gefehlt. Es liegt an der Tauber.

Dies bekamen auch die Gegnerinnen des CaM Nürnberg II zu spüren.

Bereits zu Beginn wurde klar, dass an diesem Spieltag der Philosophenweg zu einer Einbahnstraße werden sollte. Den druckvollen Grundschlägen Kathrin Schmitts hatte ihre Kontrahentin aus der Frankenmetropole nichts entgegenzusetzen. Jegliche Versuche, den Rhythmus Schmitts durch tempoarme Bälle zu brechen, versandeten in der roten Asche.

Auch Tina Präger ließ ihrer Gegnerin keine Chance. Laufstark und mit großer Spielfreude ließ sie einen Hauch von Spanien über die Anlage wehen.

Kathrin Schmidt ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, sich in die einmütige Phalanx ihrer Mannschaftskameradinnen einzureihen. Ihre Unaufgeregtheit und klare Fokussierung nötigen angesichts ihrer ersten Saison überhaupt noch größeren Respekt ab.

Die Spitzenspielerin des TCR Svenja Hörber überrollte ihre Kontrahentin förmlich. Mit der Leichtigkeit eines Trainingsmatches und einer beneidenswerten Selbstverständlichkeit in ihren Schlägen dominierte sie ihr Nürnberger Pendant nach Belieben, die aufgrund des Schleudergangs sichtlich überfordert wirkte.

Die große Bühne des Rothenburger Centercourts mit seinen bisweilen entfesselt jubelnden Fans kann auf Spielerinnen aus der Provinz eine wahrlich einschüchternde Wirkung entfalten.

Dies konnte auch Elke Kellermann in ihrem Spiel für sich nutzen. Leichtfüßig gelang es ihr stets, den Ball dorthin zu platzieren, wo ihre Gegnerin ihn am wenigsten haben wollte. Man konnte ohnehin den Eindruck gewinnen, dass diese eher an der Interaktion mit der rot-weißen- Wand interessiert war.

Lediglich im Match von Evi Glanz konnten beide Akteurinnen die gute Stimmung sichtlich genießen. Dennoch fand Glanz nach einem engeren ersten Satz auch aufgrund ihrer läuferischen Stärke schließlich das bessere Ende für sich.

Das Spiel war nun bereits nach den Einzeln eindrucksvoll gewonnen. Doch ließen es die Leidenschaft und der Siegeshunger einer Damen 30 niemals zu, etwa deshalb einen Gang zurückzuschalten. In den Doppeln gelang es stattdessen, die Gäste noch weiter zu distanzieren.

Die Paarung Schmitt/Präger hatte keinerlei Mühen und siegte dank eines vorbildlichen Angriffstennis, ohne auch nur eine einziges Spiel abzugeben.

Auch das bereits zum wiederholten Male in dieser Besetzung auflaufende Spitzendoppel Hörber/Glanz siegte klar in zwei Sätzen. Julia Ehrlinger brachte Spritzigkeit, frischen Wind und eine donnernde Vorhand auf den Platz und in Kombination mit der Souveränität und Sicherheit ihrer Partnerin Elke Kellermann konnte die gegnerische Konstellation dem nichts entgegensetzen.

So stand am Ende einer beeindruckenden Saison der höchstmöglich Sieg für die Damen 30 des TC Rothenburg zu Buche.

In Anbetracht einer solchen Gesamtleistung seien dem Erzähler nun einige wenige resümierende Worte gestattet. Allenthalben wird von der Bedeutung der Erfahrung und der mit ihr einhergehenden Wettkampfhärte gesprochen. Dass diese Analyse zu kurz greift, haben die Damen 30 des TCR in der diesjährigen Medenrunde eindrücklich bewiesen. Es gehört schon einiges dazu, sich in einer ersten Saison auf den Platz zu stellen und in einer in Jahrzehnten gereift anmutenden Abgeklärtheit zu agieren. Würdigte man nun lediglich die individuelle Klasse, würde der Kern des Erfolges außer Acht gelassen. Schnell liegt die nächste Phrase von der geschlossenen Mannschaftsleistung im Sinn. Doch was meint sie eigentlich? Leidenschaft und Begeisterung sind keine einsamen Wölfe. Sie gedeihen nur, um im Bild zu bleiben, im Rudel. Jeder der einem Spiel der Damen 30 beiwohnt, spürt sie und jedem, der im Anschluss daran in ihrer Runde sitzt, hat an ihr Anteil. Für die alten Römer war die Eintracht derjenige Zustand, in dem allein das Herz Triebfeder allen Tuns ist. Und das ist es, was unsere Damen 30 sicher haben, Herz.

Einzel:

Svenja Hörber: 6/0, 6/1

Kathrin Schmitt: 6/2, 6/2

Elke Kellermann: 6/0, 6/2

Tina Präger: 6/2, 6/2

Evi Glanz: 6/4, 6/2

Kathrin Schmidt: 6/2, 6/1

Doppel:

Hörber/Glanz: 6/3, 6/2

Kellermann/Ehrlinger: 6/1, 6/0

Schmitt/Präger: 6/0, 6/0